Puzzle aus zwei Teilen

Famose Klischees über Bassisten sind Legion: Tieftonsklaven seien sie, die von ihren vier Seiten ohnehin nur zwei benutzten und den Rest für schlechte Zeiten aufsparten. Glücklicherweise, so wird gelästert, nähmen sie und ihr Bassverstärker auf der Bühne wenig Platz weg, zumal sie bei Konzerten auf Bewegung bis an die Grenze der völligen Bewegungslosigkeit fast völlig verzichteten. Damit wird man der Bedeutung des Bassisten im Bandgefüge natürlich nicht gerecht. Denn für die Rhythmussektion einer Musikgruppe stellen Schlagzeuger und Bassist die Hälften eines Puzzles aus zwei Teilen dar. Gemeinsames Musizieren gilt schließlich als ältester Teamsport der Welt.

Bass als Rhythmusstütze

Mit dem Rhythmus kennzeichnet man die Betonungsstruktur von Musik. In der U-Musik ist der Bass als Rhythmusstütze unersetzlich. Der Bassist sorgt mit seinem Spiel für die niederfrequente Basis des gesamten Klangspektrums, ohne die sich ein Song kaum richtig entfalten kann. Natürlich unterscheiden sich auch hier die Geschmäcker: So gibt es Bassverstärker, die mit ihren 10-Zoll-Membranen einen eher schlanken Sound mit viel Höhen produzieren. Ihnen stehen weit basslastigere 15-Zoll-Versionen gegenüber. Die Leistung der Geräte differiert ebenfalls erheblich: Hersteller wie TecAmp, Warwick oder Fender bieten Modelle von 20 bis 2500 Watt an. Letztlich ist aber auch ein Bassverstärker nur so gut wie der Bassist.

Anspruchsvolle Slap-Bass-Passagen

Die Wahl des richtigen Equipments richtet sich auch nach der Rolle, die der Bass im Sound einer Band spielt. Dient er nur dem Rhythmus oder wird er auch als solierendes und Melodie führendes Instrument eingesetzt? Prominentes Beispiel für die verschiedenen Techniken ist das Spiel von Flea, seines Zeichens Bassist der Red Hot Chili Peppers. Er spielt den Bass zum Teil wie eine Gitarre und weiß im nächsten Moment mit rhythmisch hochanspruchsvollen Slap-Bass-Passagen zu begeistern. Um klanglich den richtigen Druck zu entwickeln und sich gegen den im Vergleich viel dominanteren Gitarrensound durchsetzen zu können, greift Flea unter anderem auf ein leistungsstarkes Bassverstärker-Ensemble aus Top und Box von Gallien Krueger zurück.

Pflichtlektion für angehende Bassisten

Als einer der einflussreichsten Bassisten der letzten 30 Jahre gilt übrigens Jaco Pastorius. Pastorius lotete die Grenzen des Instruments neu aus, indem er ihn auch als Solonstrument einsetzte. Mit seinem bundlosen E-Bass setzte Pastorius ebenfalls neue Maßstäbe. Eine Anekdote besagt, dass Flea bei dem Versuch, Jaco nachzueifern und die Bundstäbe seines ersten Basses zu entfernen, sein erstes Instrument völlig ruinierte. Bis heute stellt Pastorius’ Lehrvideo „Modern Electric“ Bass eine Pflichtlektion für angehende Bassspieler dar. Wie auch Metallicas Cliff Burton starb der Amerikaner allerdings jung und tragisch: 1987, im Alter von nur 36 Jahren, erlag er den Folgen einer Schlägerei, die er angeblich im Drogenrausch angezettelt hatte.